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frühes Tretkurbelrad,
vermutl. Lallement |
Bis heute nicht einwandfrei geklärt ist, wer als
erster Pedale an ein Zweirad montierte. Immer wieder
geistern Namen und Jahreszahlen durch die Fahrradgeschichte,
oft von übereifrigen Patrioten genannt, um ihre Heimat
als Geburtsland des Fahrrads hervorzuheben. Jahrelang
galt Kirkpatrick Macmillan, ein schottischer Schmied,
als erster, der mittels Schwinghebeln ein Zweirad
antrieb. Dieses Velocipede wurde nach Angaben eines
Zeitgenossen Macmillans im Jahr 1869 nachgebaut und
ist heute noch erhalten. Sehr ähnlich ist Galvin Dalzells
Zweirad, angeblich aus 1847, auch hierfür fehlt jeder
Beweis. (Dalzell wäre übrigens zum Zeitpunkt seiner
Erfindung 10 Jahre alt gewesen, würden die Angaben
stimmen!) Die Franzosen führen Alexandre Lefebvre
ins Rennen, der bei seiner Emigration nach Amerika
ein Fahrrad mit sich führte, das angeblich schon 1843
entstand, und in deutschen Geschichtsbüchern scheint
heute noch Philip Moritz Fischer auf, dessen auf 1853
datiertes Velocipede nachweislich erst 1869 entstand.

Michaux Velocipede von Olivier,
ca. 1869 |
Michaux in Serpentinenform, ca. 1867
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Phantom Velocipede, GB 1870
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Wer war jetzt aber wirklich der Inventor des Pedalantriebs?
Gemeinhin gelten Vater und Sohn Michaux als die Erfinder.
Eine Geschichte erzählt, dass Pierre Michaux, ein
Pariser Schmied, auf Anraten seines Sohnes Ernest
an ein zu reparierendes Laufrad Kurbeln und Pedale
montierte. Dem hat Pierre Lallement schon immer widersprochen.
Lallement war Angestellter eines Kinderwagenherstellers
und hatte zu seinem Privatvergnügen 1863 ein Zweirad
gebaut, das er – so wie Lefebvre – bei seiner Emigration
mit in die USA brachte. Dort ließ er es 1866 patentieren,
das erste Patent für ein pedalgetriebenes Fahrrad.
Als Pierre Lallement 1868 nach Paris zurückkehrte,
musste er allerdings mit ansehen, dass Radfahren schon
fast zu einem Volkssport geworden war. Pierre Michaux
hatte bei der Weltausstellung 1867 zwei Exemplare
seines Velocipedes vorgeführt und weltweite Aufmerksamkeit
gefunden. Michaux tat sich mit den Brüdern Olivier
zusammen, und so konnte die Firma Michaux & Co.
1868 am Tag bereits 12 Einheiten herstellen!
Aber auch ihm war langfristig kein Erfolg beschieden,
die Brüder Olivier drängten ihn ein Jahr später aus
seiner eigenen Firma, die in „la Compagnie Parisienne
de Velocipedes“ umbenannt wurde und immer weiter expandierte.
Michaux versuchte einen Neueinstieg unter eigenem
Namen, wurde von den Olivier`s aber verklagt und ging
Bankrott.

Shire Boneshaker, USA 1879 |
Dass 50 Jahre zwischen der Erfindung des Laufrads
und dessen Mutation zum Fahrrad lagen, liegt an der
Balancierangst der Bevölkerung. Denn Vierräder hatte
es schon dazwischen gegeben. Am erfolgreichsten war
der Engländer Williard Sawyer, dessen Firma mindestens
seit 1851 bestand, und der seine Vierräder sogar an
das englische Königshaus verkaufen konnte. Sein Velocipede
wurde mittels Trethebeln, an denen Lederschlaufen
für die Füße befestigt waren, über eine Kurbelwelle
angetrieben. Durch die Weltausstellung 1867 verbreitete
sich das Velocipede rasch über den ganzen Kontinent
und sogar bis in die technischen Neuerungen immer
aufgeschlossenen USA. Rowley B. Turner, Repräsentant
der Coventry Sewing Machine Company (ein englischer
Nähmaschinenhersteller), erstand ein Michaux und brachte
es in seine Heimat. Josiah Turner, sein Onkel und
Geschäftsführer der Firma, erkannte das geschäftliche
Potential, und beschloss den Bau von 400 Stück, die
er nach Frankreich exportieren wollte. Der 1871 ausgebrochene
Deutsch - Französische Krieg machte ihm dabei einen
Strich durch die Rechnung. So musste er seine Räder
auf der Insel absetzten, was einen regelrechten Fahrradboom
zur Folge hatte – und dem Velocipede zu seinem englischen
Spitznamen verhalf:Boneshaker (Knochenschüttler).
Aber auch in anderen europäischen Ländern wurden Velocipede
gebaut, in Österreich zB. von den Firmen Maurer und
Lenz, in Deutschland unter anderem von Heinrich Büssing,
der später mit dem Bau von LKW`s und Autobussen Erfolg
hatte.
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