der
Tretroller
|
| |
| Der gute, alte Tretroller
hatte scheinbar schon ausgedient, da erlebte er einen
zweiten (bzw. sogar dritten) Frühling. Nur heißt
er jetzt "Scooter" und ist ein Trendsportgerät
für Jugendliche. Wir leben halt in modernen Zeiten,
was macht es da schon, dass der Scooter mit seinen
winzigen, von Inline - Scatern ("Rollschuhe"
hießen die früher bei uns Großvätern)
entlehnten Laufrädern an Komfort, Laufruhe und
Schnelligkeit nicht annähernd mithalten kann
mit den alten Vorbildern, die teilweise ja sogar mit
Luftbereifung ausgestattet waren! Dafür kann
man ihn aber bequem in einer Ecke im Keller abstellen
und dort vergessen, den kleinen Scooter, wenn man
es satt hat, von jeder Unebenheit durchgeschüttelt
zu werden, und ständig mit den Winzrädern
in den Kanaldeckeln stecken zu bleiben.
|
  |
Tretroller aus den
frühen Jahren, rechts der "Steppke"
wie man ihn heute noch kaufen kann |
|
Vollgummibereifte Roller aus Eisen mit Alufelgen,
mit ausgeklügelten Bremssystemen
|
| Eigentlich erstaunlich,
dass so lange niemand auf die Idee mit dem Roller
gekommen ist. Noch um die Wende vom 19ten zum 20ten
Jahrhundert findet man in den Katalogen zwar Kinderdreiräder
und Handhebel-betriebene Holländer, aber kein
Tretroller. Dabei ist der so einfach konzipiert: ein
Brett, eine bewegliche Gabel, zwei Räder, voila!
Genau so schauten dann auch die ersten Holzdinger
aus, die um 1912 auf den Markt kamen. Manchmal wurde
erfinderisch ziemlich um die Ecke gedacht: Tretroller
mit Antrieb, zB. über eine Wippe auf eine Nabe,
die exzentrisch (außerhalb der Radmitte) gespeicht
war (Ingo Bike aus den 30er Jahren), oder sogar mittels
Zahnstangenantrieb, wie bei dem weiter unten gezeigten
Bismarck. Solche Dinger galten allerdings nicht als
Roller, denn alles was einen Antrieb hat, und bman
beim Fahren den Boden mit den Füssen nicht berührt,
ist ein Fahrrad.
|
  |
Junior Roller, der
Sitz samt Kettenantrieb ist ein Zukaufteil. Rechts
ein Kettler Roller mit "Ruhekissen" |
| |
der Bismarck hat
einen Zahnstangenantrieb, ist folglich kein Roller.
Kettler Vollgummipneu, Roller im Museum
|
| Und so musste der Roller
sein Dasein als Kinderspielzeug fristen. Ein beliebtes
Geschenk für den Nachwuchs meistens zu Ostern,
bestellt bei Versandhäusern oder gekauft im Spielwarenhandel,
aber als Verkehrsmittel nicht ernst genommen (das
sieht man auch daran, dass für einen Roller die
Straßenverkehrsordnung nicht gilt. Diesen Umstand
nutzten ein paar findige Geschäftsleute, um anfangs
der 90er Jahre Tretroller für Erwachsene zu entwickeln
und auch zu bauen, mit denen man überall - auch
auf Gehsteigen und in den Fussgängerzonen - herumflitzen
durfte. Heute ist diese Modeerscheinung schon wieder
passe). Dennoch fand auch am Tretroller eine technische
Entwicklung statt: vom einfachen Holzbrett der frühen
Jahre hin zu - manchmal klappbaren - Gestellen aus
Eisen und Stahl (30er Jahre). In den 50ern waren vor
allem die Felgen aus Aluminium, Luftbereifung, ausgereifte
(und tatsächlich funktionierende) Bremsen, Federung,
Gepäckträger, usw. kamen ebenfalls ab dieser
Epoche hinzu.
|
|
Pneumatikbereifter
Roller (8 1/2 Zoll Reifen) |
| |
  |
 |
|
|
|
weitere Themen im Archiv:
|