Das
Laufrad - der Freiherr von
Drais und seine Nachahmer

Drais' erstes Laufrad (Karlsruher
Model) 1817 |
Man kann nicht über Laufmaschinen sprechen, ohne
dabei einen Namen zu nennen: Carl Friedrich Christian
Ludwig Freiherr von Drais zu Sauerbronn (der später
auf seinen Adelstitel verzichtete). Der Forstmeister
aus Baden war ein rastloser Erfinder. Neben dem Laufrad
entwickelte er unter anderem ein „Schnellschreibclavier“
(einen Vorgänger der Schreibmaschine), eine Art Morsealphabet
und viele andere mehr oder weniger nützliche Dinge.
Eines hatten diese alle gemeinsam: Sie verhalfen ihm
nicht zu Ruhm und Reichtum. Das lag weniger an seinen
Erfindungen, sondern vielmehr an seinem Umfeld.
Obwohl seine Ideen meist - von anderen übernommen
- weite Verbreitung fanden, konnte er selbst kein
Kapital daraus schöpfen und verstarb im Jahr 1851
nach längerem Auslandsaufenthalt.

Laufmaschine des Freiherrn
von Drais, 1818 |
Schon 1813 hatte Drais begonnen, mit "selbstbewegenden
Fahrzeugen" zu experimentieren. Der miserable
Zustand der damaligen Straßen erforderte allerdings
einen derartigen Kraftaufwand, dass dieser Erfindung
kein Erfolg beschieden war. Erfolgversprechender war
ein einspuriges Gefährt, das Carl Drais 1817 entwickel-te,
und „Schnell – Laufmaschine“ nannte. Über den Rädern
war ein hölzernes Brett montiert, an dem ein Sitz
befestigt war. Darauf saß der Pilot, der sich vom
Boden mit den Füßen abstieß, um sein Vehikel in Bewegung
zu bringen. Mit dem Oberkörper lehnte er sich an ein
„Balancierbrett“ und in den Händen hielt er die auf
die Vorderräder wirkende Lenkstange. Um seine Erfindung
der Öffentlichkeit bekanntzu machen, veranstaltete
Drais werbewirksame Aktionen. So führte er seine Erfindung
nicht nur in seiner näheren Heimat vor, sondern kam
bis nach Paris, wo er auch Patentrechte erwerben und
einen Lizenznehmer finden konnte. Wegen eines Nebenerwerbsverbots
für Beamte konnte er selbst keine Aufträge annehmen,
sondern er verlangte Lizenzrechte und bestätigte diese
in Form einer Silberplakette (sein Familienwappen),
die an der Maschine angebracht werden musste.

Transportlaufrad Emmrich Wollenschlaeger,
Frankfurt 1818 |
Aus dem plumpen Brett über zwei Rädern entwickelte
Drais schnell ein perfektes Transportmittel. Bereits
1818 waren seine nach ihm „Draisinen“ genannten Laufmaschinen
mit verstellbarem Sattel, Seilzugbremse und Gepäckträger
ausgerüstet. In vielen Ländern wurden sie nachgebaut,
teils unter Lizenznahme, teils auch unter Umgehung
der Patentrechte (siehe die Wollenschlaeger Maschinen).
Lizenznehmer in England war Denis Johnson, der sein
„Pedestrian Hobby Horse“ (oder auch „Dandy Horse“)
genanntes Gefährt sogar in einer Damenausführung anbot.
In Österreich, genauer in Wien, beschäftigte sich
der Ackerwerkzeugfabrikant Adam Burg mit der Herstellung
von Draisinen. Genau wie bei Johnson konnte man ab
1818 seine Maschinen kaufen oder mieten, und in eigens
eingerichteten Schulen sogar deren Benützung erlernen.
Die Zeit der Draisinen währte allerdings nicht lange.
Ihre Benützung wurde vielerorts untersagt, technische
Innovationen folgten deshalb nicht mehr (Drais selbst
ging als Vermessungsbeamter nach Brasilien), und sogar
der englische Botendienst stellte die Draisinen wieder
in den Stall: angeblich wegen zu hohen Schuhsohlenverschleißes
der Benützer

Laufmaschine des Adam Burg,
Österreich 1820 |
Denis Johnson "Pedestrian
Hobby Horse" 1820 |
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