Der Bestand an alten Fahrrädern in unserem Museum wird immer größer, ständig kommen welche hinzu (aus Platzmangel können wir leider nicht alle Exponate gleichzeitig ausstellen). Neuheiten im Museum möchten wir auf dieser Seite vorstellen - und gleichzeitig unsere Besucher aufrufen: wenn auch sie zu Hause ein uraltes Fahrrad (oder Moped, Motorrad, Roller, oder auch Teile wie Lampen, etc.) stehen haben, für das sich ohnehin niemand wirklich mehr interessiert - oder es steht im Weg, ist aber zu schade zum Wegwerfen - dann wenden Sie sich an uns. Wir fühlen uns ein bisschen als Bewahrer einer sonst aussterbenden Rasse, nämlich des alten Drahtesels, und sind  immer auf der Suche nach erhaltenswerten Fahrzeugen. Wir freuen uns auch über interessante Leihgaben!

 

 

Safety Roadster 1891

 

 

1891: Das Safety hatte sich gegen das Hochrad durchgesetzt, und „der König“ unter dieser Fahrradgattung waren diejenigen mit Diamantrahmen. Ihnen gehörte eindeutig die Zukunft, vor allem, wenn sie schon mit Luftreifen ausgestattet waren. Pneumatikbereifung besitzt unser hier vorgestelltes zwar noch nicht, aber dennoch ist es in höchster Qualität gebaut. Nummerierungen an allen Rahmenverbindungen sollen Demontage und Zusammenbau erleichtern, alle beweglichen Teile sind mit feinsten Kugellagern ausgestattet, und das stark abfallende Oberrohr des sehr hohen Rahmens vermittelt eine sportliche Sitzposition. Zudem gehört es für die damalige Zeit durchaus zu den Leichtgewichten. Schade nur, dass nirgendwo ein Hinweis auf den Hersteller eingemarkt ist, was eine Identifizierung nahezu unmöglich macht. Laut Vorbesitzer soll es sich um ein Clement handeln, woher diese Ansicht stammt, ist aber unbekannt. Dennoch im folgenden eine Lebensgeschichte des französischen Fahrradpioniers, die der Online-Bibliothek Wikipedia entliehen ist:

Alphonse Clément, 1855 geborener Sohn eines Lebensmittelhändlers, zeigte sehr früh Interesse an Technik. Im Alter von 17 Jahren baute er sein erstes Fahrrad mit Holzrädern, bevor er sich als Radrennfahrer in der Tour de France engagierte. Nach Absolvierung einer Schlosserlehre gründete er im Jahr 1878 im Alter von 23 Jahren in Paris die kleine Fahrradwerkstatt A. Clément & Cie. Im Jahr 1889 kaufte er John Boyd Dunlop, dem Erfinder des luftgefüllten Reifens für 50.000 Francs die Exklusivrechte für die Herstellung und Vertreibung von Fahrradreifen in Frankreich ab und begründete damit seinen Reichtum.

Er trennte sich 1891 von den Teilhabern seiner Firma und plante auf einem bereits 1890 in Faubourg Saint-Juliergünstig erworbenen ehemaligen Militärgelände den Bau einer neuen Fabrik, die als La Macèrienne bekannt werden sollte. Das Voranschreiten der 1894 begonnenen Bauarbeiten überwachte Clément aus der Ferne anhand von täglich aufgenommenen Photos. 1897 nahm das Werk, das auf einer Grundfläche von 15.000 m2 neben einem hydraulischen Turbinenkraftwerk, einem Dampfmaschinensaal und der großen Maschinenbauhalle auch eine eigene Gießerei und eine Werkstatt zur Vernickelung umfasste, den Betrieb mit der Fertigung von Fahrradschrauben und -speichen auf. Gleichzeitig schloss Clément sich mit Lord Charles Chetwynd-Talbot, Earl of Shrewsbury (Lord Talbot, 1860-1921) und der französischen Filiale von "Humbert" zu einer Unternehmensgruppe zusammen. Diese kaufte im Jahr 1896 die renommierte französische Fahrradfabrik Gladiator Cycle Company auf. Clément nutzte seine Stellung als Vorsitzender der Gruppe, um den französischen Zweig in "Clément-Gladiator" und den englischen in "Clément-Talbot" umzutaufen. Mit dem Bau einer zweiten Fabrik in Levallois-Perret, einem westlichen Vorort von Paris wurde im Jahr 1897 der Ingenieur Leneveu beauftragt. Dort baute Clément unter der Marke "Gladiator" seine ersten Monozylinder-Automobile.

Der Konzern zerfiel im Jahr 1903. Während Sir Talbot die neugegründete Gesellschaft "Clément-Talbot Ltd" übernahm, verkaufte Clément die Lizenzen seiner Kraftfahrzeuge und gründete seinerseits ein neues Unternehmen mit einem Werk in der Picardie. Er gab diesem und fortan auch seinen Automodellen den Doppelnamen "Clément-Bayard" in Erinnerung an Chevaliers de Bayard, den Ritter ohne Furcht und Tadel, der im Jahr 1521 unter Franz I. die Stadt Mézières, wo Cléments Gießerei angesiedelt war, gegen das Heer Karls V. verteidigt hatte. Im Jahr 1908 baute Clément sein erstes Luftschiff und taufte auch dieses auf den Namen "Clément-Bayard". Ein Jahr später änderte er seinen Familiennamen von Clément auf Clément-Bayard. 1914 zog er sich aus seinem Unternehmen zurück und stellte sein Werk André Citroën zur Verfügung. Adolphe Clément starb im Jahr 1928 in Paris.

Safety Roadster

Herkunft:   unbekannt (Clement?)

Frankreich

Baujahr:  1891

Bereifung: Vollgummi, ,
Diamantrahmen mit stark abfallendem Oberrohr,
Blockkette, "Rat-Trap-Pedale"

 
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