|
das historische Fahrrad - ein Stiefmütterchen unter den Oldtimern?
 
Kaum war das Automobil zu einem gewohnten
Anblick im Straßenverkehr geworden, begannen schon
die ersten Enthusiasten, die alten und nicht mehr
aktuellen Schnauferl aus der Zeit vor der Wende zum
20ten Jahrhundert zu sammeln. Beim Motorrad dauerte
es etwas länger, erst im Zuge der Nostalgiewelle in
den 70er und 80er Jahren schossen die Motorradmuseen
geradezu aus dem Boden. Wer sich für die Verkehrsbereiche
Flugzeug, Eisenbahn oder Schifffahrt interessiert,
wird auf jeden Fall in einem technischen oder in einem
auch nicht mehr seltenen themenspezifischen Museum
fündig - außerdem gibt es unzählige Veranstaltungen
und Ausfahrten, bei der er solche Schätze “in Natura
und in Action” erleben kann. Was aber ist mit dem
Fahrrad? Wo geht man da hin, um etwas über die Geschichte
dieses ersten Individualverkehrsmittels zu lernen?
Wo kann man historische Fahrräder in Bewegung beobachten?
Wer interessiert sich für alte Drahtesel, und wieso
tun das nur so wenige? Warum führt das historische
Fahrrad ein derartiges Stiefmütterchendasein im Vergleich
zu anderen Verkehrsmitteln?
|
|
das Fahrrad und seine Auswirkungen auf sein soziales Umfeld
 
Dabei gibt es kein anderes Verkehrsmittel,
das es mehr verdienen würde, dass man seine Geschichte
kennt, keines, das mehr Auswirkungen auf sein soziales
Umfeld hatte als das Fahrrad. War das Laufrad des
Freiherrn von Drais (ab 1817) nicht viel mehr als
ein Spielzeug für den Adel, so fand das Veloziped
Monsieur Michaux’s schon weltweite Anerkennung - nicht
zuletzt durch geschickte Vermarktung auf der Weltmesse
in Paris 1867. Die Zeit war einfach reif und die Menschen
waren empfänglich für technische Neuheiten! Den endgültigen
Durchbruch brachte aber das Hochrad, dessen Dasein
zwar kurz (1870 bis ca. 1890), die Spuren, die es
hinterließ, aber desto tiefer waren. Das Hochrad
scheint heute für den Uneingeweihten nicht viel mehr
als ein Unikum zu sein, ein Dinosaurier der Fahrradgeschichte.
Kaum einer kennt seine Verdienste, kaum einer weiß
es zu würdigen, dass es Hochrad- Velozipedisten waren,
die die ersten Straßen asphaltieren ließen, um besser
voran zu kommen, dieselben waren es, die die ersten
Straßenkarten anfertigten, oder die Armbanduhr erfanden,
um nur ein paar Verdienste zu nennen. Und weil sich
in den letzten Jahren doch einige, wenn auch wenige,
Enthusiasten vermehrt um alte Fahrrädern kümmern,
ist es gelungen, in speziellen Fahrradmuseen dem Fahrrad
die Anerkennung zukommen zu lassen, die es verdient.
|
|
Fahrradmuseen jetzt endlich auch in Österreich
 
So gibt es heute in Österreich (neben dem
Technischen Museum in Wien, das schon immer einen
großen Fundus an historisch äußerst wertvollen Rädern
hatte, wenngleich diese der Öffentlichkeit meist verborgen
bleiben) bereits vier öffentlich zugängliche Museen,
die sich hauptsächlich mit dem Drahtesel beschäftigen
- und mehrere Privatsammlungen. Vorreiter war das
Museum “Rund ums Rad” in Altmünster, das schon
1995 seine Tore öffnete. Zuerst nur als einmalige
Sonderausstellung für 3 Monate gedacht, bewog das
Publikumsinteresse die Betreiber Walter Neumayer und
Hannes Denzel, die Ausstellung zu einer permanenten
Einrichtung zu machen. Mittlerweile ist der Bestand
an Exponaten auf ca. 130 Exemplare angewachsen (alle
durchwegs fahrbereit), die leider drohen, die Räumlichkeiten
zu sprengen. Daneben finden nämlich auch in ständig
wechselndem Rhythmus ca. 30 Motorräder hier eine Unterkunft,
die in unterschiedlichen Sonderausstellungen präsentiert
werden.Die Platznot hat für den Besucher aber auch
einen Vorteil: keine Absperrungen verhindern einen
Blick auf technische Details, und wer einmal wissen
will, wie man sich auf einem Hochrad fühlt, bitte
sehr: auf einem Simulator kann man sich in luftige
Höhen schwingen. Oder will jemand nachvollziehen,
wie der Freiherr von Drais anno 1817 auf seinem Laufrad
unterwegs war? Neben den Originalen zum Anschauen
steht ein Replikat seiner Maschine zum Proberitt bereit.......
....wir sehen uns im Museum!
|
|
|
|